Deutschland in den Rücken fallen!
Kämpft mit uns gegen Staat, Nation und Kapital!

„Schwarz, rot, geil“

Ganz Berlin trägt wieder einmal schwarz, rot und gold und ist in einer unheimlichen Feierlaune. Der Anlass zu den Festivitäten ist der Jahrestag der Angliederung der DDR an die BRD. Alles freut sich, als wäre die „Wiedervereinigung“ des deutschen Volkes etwas tolles. Selbst in Berlin, neue und alte Hauptstadt, wird gejubelt und das, obwohl es seit 1990 stetig bergab geht mit der Stadt. Selbst der regierende Bürgermeister bezeichnet die Stadt unverhohlen als „arm“ und fügt zynisch hinzu „aber sexy!“. Davon können wir uns nichts kaufen, denkt mensch da. Wowereits Argumentation hat allerdings System: Real existierende Missstände, Widersprüche und Klassenkämpfe sollen im Denken der Menschen zurückfallen hinter abstrakte, konstruierte, ja ausgedachte Werte.

Anstatt sich darüber klarzuwerden, dass der Kapitalismus eine erbarmungslose Konkurrenzgesellschaft ist, in der alle gegen alle arbeiten und die Arbeiter_innenschaft mit den Kapitalist_innen im speziellen noch einmal Außeinandersetzungen führt, sollen die Angehörigen des nationalen Zwangskollektivs von so hehren Sachen wie Nationalgefühl, Patriotismus und dem scheinbaren Bewusstsein, alle säßen in einem Boot, besoffen gemacht werden.

Apropos besoffen: Einerseits lassen sich die Fahnenwälder während internationalen Fußballmeisterschaften oder Deutschlandfesten nur ausreichend alkoholisiert ertragen. Andererseits kann mensch nur ungläubig den Kopf schütteln, angesichts der Massen von Patriot_innen, die ungeachtet all der Schädigungen, die ihnen der deutsche Staat und die von ihm gewaltsam eingerichtete kapitalistische Wirtschaft angedeihen lässt, sich allein damit genügen, dass ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit zugestanden wird.
Im Zustand des nationalen Taumels, äußert dieser sich nun gewalttätig wie in Rostock-Lichtenhagen oder „voll so happy und friedlich, ey“ wie bei der WM der Herrenmannschaften, tritt die Irrationalität des Nationalismus deutlicher zu Tage als sonst.

Da geht das letzte Geld für Kunststofffahnen beim Discounter drauf, da brechen erwachsene Menschen körperlich wie seelisch zusammen, wenn „ihre“ Mannschaft aus dem Wettbewerb fliegt. Doch irrationale, nationalistische Handlungen können nicht nur Fremdscham, sondern auch nackte Angst zur Folge haben.
So brachte die „Wiedervereinigung“ nicht nur Freude hervor, sondern auch Hass gegen diejenigen, die angeblich die gestärkte Nation am endgültigen Aufstieg hinderten. „Asylanten“, „Sozialschmarotzer“ und „Zecken“ wurden nicht nur vom Mob zu Problemen erklärt, derer sich angenommen werden müsste. Zahlreiche Brandanschläge, Morde und Pogrome zeugen davon, auf welche Art zur Tat geschritten wurde.

Von logischen Überlegungen warum mensch in der Scheiße sitzt, welche Zustände dafür verantwortlich sind und wie diese zu beheben sind, ist hier keine Spur mehr. Und genau so soll es sein!. Spiel, Satz und Sieg für Deutschland.

Am Anfang war der Staat…

Der Staat, und natürlich auch der deutsche, richtet die Rahmenbedingungen für die kapitalistische Gesellschaft ein.

Wenn er erstmal als alleinige und souveräne gesellschaftliche Macht etabliert ist, macht sich der Staat bzw. sein Führungspersonal daran, geordnete Verhältnisse zu schaffen. In einer Konkurrenzgesellschaft, die blöderweise so strukturiert ist, dass sich in der Tat eher alle gegenseitig bestehlen, verprügeln und töten würden, anstatt zusammenzuarbeiten, stellt der Staat als über der Gesellschaft stehender „ideeller Gesamtkapitalist“ (Engels1) klar, wie mensch an sein Geld zu kommen hat und wie nicht. Da gibt es auch nur einen Weg, nämlich den Verkauf von Waren. Es kann sein, dass mensch genügend Geld hat, um dieses für Produktionsmittel, Rohstoffe und Arbeiter_innen vorzuschießen, um Waren zu produzieren, diese zu verkaufen und den Mehrwert „abzuschöpfen“, den die Arbeiter_innen hervorgebracht haben. Dies ist die Beschäftigung der Kapitalist_innenklasse.

Wer dieses „Glück“ nicht hat, der verkauft das einzige, was er hat, nämlich seine Arbeitskraft. Mag die (Lohn-)Arbeit in der schönen Theorie als tolle Tätigkeit gelten, die den ganz eigenen Beitrag an die Gesellschaft darstellt, ist es doch nüchtern betrachtet eine ausgesprochen absurde Vorstellung, dass die zwanghaft eingerichtete unwiederbringliche Verausgabung von Körper- und Geisteskraft etwas gutes darstellen soll.

Damit dies alles läuft, muss der Staat in verschiedenster Weise in die Gesellschaft eingreifen. Zuallererst wird eine formelle Gleichheit vor dem Gesetz des Staates hergestellt. Die Unterschiede zwischen den Menschen, seien sie körperlicher oder persönlicher Natur oder betreffen sie ihre Stellung im gesellschaftlichen Produktionsprozess werden eingebügelt, aber das nur ideell: Für den Staat sind nun alle gleich und zwar als Staatsbürger_innen. Ob Kapitalist_in oder Arbeiter_in, alle haben die gleichen Freiheiten, Rechte und Pflichten. Sie müssen sich natürlich auch gleichermaßen an die vielfältigen, staatlich gesetzten Grenzen und Verbote halten. Das sich manch ein Manager für hohe Geldsummen vor einer Gefängnisstrafe retten kann, mag manchen „unfair“ erscheinen, aber so ist unsere Gesellschaft strukturiert und dem Staat sind ein paar Millionen mehr im Säckel halt allemal lieber als noch ein Typ im Knast.
Kapitalist_innen und Arbeiter_innen treten sich als gleichberechtigte Vertragspartner_innen gegenüber. Der Staat tritt also als Macht auf, die den kapitalistischen Normalzustand erst ermöglicht und diesen verteidigt. Gesetze über den Schutz des Privateigentums legen uns alle darauf fest, unser „Glück“ in der Konkurrenz aller gegen alle zu suchen. Es bringt nichts einzelne Gesetze zu verändern, hier und da dem freien Wirtschaften Schranken aufzuerlegen oder Freund_innen der Kapitalfraktion in Justiz und Politik abzusetzen. Der Staat muss weg und mit ihm das Privateigentum.

Eine weitere Neuerung im Kapitalismus war die Herrschaft der Freiheit.
Niemand wird hier zu etwas gezwungen. Du kannst dich frei dazu entscheiden, ob du arbeiten gehen willst oder ob du verhungern willst oder ob du ein erbärmliches Leben als Bettler_in führen willst.
Die Lohnarbeiter_innen sind sogar gleich „doppelt frei“ (Marx2)! Sie sind frei von Produktionsmitteln und frei von unmittelbarem Zwang.

„…’cause we are living in a material world“ (Madonna3)

Im Kapitalismus ist alles Ware. Deine Arbeitskraft, Lebensmittel, Grund und Boden, Gemälde von Picasso, Wasser, Tiere und sogar Menschen.

Es wird einem beigebracht, dass alles produziert wird, wofür eine Nachfrage besteht, aber so ganz stimmt das nicht. Kaufkräftige Nachfrage muss bestehen, sonst kommt das Produkt nicht zum Menschen. Schlimmstes Beispiel: in vielen Gebieten der Welt verhungern hunderttausende täglich, während in den Metropolen Nahrungsmittel verbrannt werden, die sich nicht verkaufen lassen. Es wird jeder Blödsinn produziert, wenn es nur irgendjemanden gibt, der genügend Geld dafür ausgibt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Blödsinn für Millionen von Euro produziert und verkauft wird, andererseits jedoch Abermillionen kein Geld haben, sich das nötigste zu kaufen. Das ist übrigens nicht nur in Afrika so, sondern auch in Deutschland. Während früher hierzulande Menschen, die in Mülleimern nach Flaschen gesucht haben, schockiert angestarrt wurden, ist heutzutage jedem klar, dass der Lebensstandard für Lohnabhängige stark gesunken ist. Auch in der BRD gibt es genügend Menschen, die sich zwischen etwas zu Essen, einem Arztbesuch und neuer Kleidung für die Kinder entscheiden müssen.

Der einzige Gesichtspunkt, unter dem die Wirtschaft organisiert wird, ist der Profit. Gegen diese Logik richtet sich unser gemeinsamer Kampf. Wir wollen eine Gesellschaft, in der die Wirtschaft so organisiert ist, dass die Weltbevölkerung ihre Nutznießerin ist.

Wir hassen Deutschland, weil wir das Leben lieben

Diese kapitalistische Wirtschaft wird von Staaten national organisiert. Das Staatsvolk, welches in den jeweiligen Grenzen geschaffen wird, soll mit verschiedenen Luftschlössern geeint werden. So stehen „wir“ plötzlich gegen „die“. Die einfache Erkenntnis, dass die Arbeiter_innen kein Vaterland haben und sie ihren Klassenschwestern und –brüdern jenseits der Grenze doch eigentlich näher sind als ihrer „eigenen“ Herrschaftselite und Kapitalist_innenklasse soll vergessen werden. Überhaupt, wer zur Hölle ist eigentlich „wir“? Nationale Einigkeit, die auch immer wieder gewaltsam gegen unliebsame Staaten zur Sache geht, soll über Kultur, Sprache und Geschichte hergestellt werden.

Alles Quatsch. Kulturell stehen sich zum Beispiel Skate-Kids aus verschiedenen Ländern näher, als ein deutscher Emo und ein deutscher Schuhplattler. Ganz absurd wird es, wenn verschiedenste „Dichter und Denker“ zugeschrieben wird, ihre Werke wären – unabhängig von jeder Stilistik und jedem Inhalt – „typisch deutsch“.

Die Sprache ist ersteinmal nur schlichtes Kommunikationsmittel. Daraus, dass Menschen sich in der gleichen Sprache verständigen, folgt keine Interessen- oder Volksgemeinschaft, schließlich ist über den Inhalt ihrer Aussagen und die Ziele, auf die sie sich verständigen, garnichts gesagt.

Zur Geschichte: Die ist eine Geschichte von Klassenkämpfen und damit ist eigentlich auch schon alles zum Thema gesagt… Bis jetzt ist sie die Geschichte der Sieger_innen in den historischen Klassenkämpfen. Darin, dass Hungerrevolten und Revolutionen niedergeschlagen wurden, sehen wir nichts verbindendes, im Gegenteil! Es springt umso deutlicher ins Auge, dass die nationale Gemeinschaft eine Gemeinschaft ist, die gewaltsam befriedet und versöhnt werden musste und muss.

Lasst es krachen, lasst es knallen

Alles, was wir abstrakt ausgeführt haben, betrifft dich ganz konkret. Jede menschliche Emanzipation, jede Erhebung, jede Revolution hat ihren Feind im Staat. Abstrakt, weil wir ja abschaffen wollen, was er gewaltsam ins Recht gesetzt hat: die Warengesellschaft und die Lohnarbeit. Konkret, weil er sich mit unmittelbaren Zwangsmitteln gegen jede praktische Bestrebung richten wird, die eine Befreiung vom Kapitalismus bewerkstelligen will.

Die Vermittlung unserer Kritik wollen wir auf verschiedenen Ebenen angehen.

Am 03.10, dem Tag der deutschen Einheit, wollen wir eine anti-nationale bundesweite Nachttanzdemonstration durchführen, die unsere Gegnerschaft zu den herrschenden Zuständen klar formulieren soll. Mitten im nationalen Taumel und im selbstvergessenen Deutschlandwahn wollen wir Inhalte in die Öffentlichkeit tragen, die sich radikal gegen das Konzept der Nation und damit auch gegen Deutschland richten. Wir sind uns des provokatorischen Potentials durchaus bewusst und hoffen, es nutzen zu können. In den Abendstunden des „Tags der deutschen Einheit“ soll in Berlin – dem Herzen der Bestie sozusagen – Unerhörtes laut durch die Straßen schallen.

Im Anschluss, am 04.10 folgt der Praxis die Theorie. In Vorträgen und Workshops wird kommunistische Kritik an Nation, Staat und Kapital vermittelt werden. Am Abend veranstalten wir dann noch eine Party, wo noch einmal im ungezwungenen Rahmen diskutiert werden kann, aber natürlich hauptsächlich entspannt und gefeiert werden soll.

Wir haben Schlafplätze organisiert, für Anfragen nach diesen, ebenso wie für Anfragen nach Aufrufen, Plakaten, Postkarten, Aufklebern und Info-Veranstaltungen richtet euch bitte an uns. Auf ein Wochenende, das wir alle nicht so schnell vergessen werden.

Meldet euch an! Beteiligt euch an der Demo!

Kämpft mit uns gegen Staat, Nation und Kapital! Deutschland in den Rücken fallen!